Schriftart spart 370 Mio. Dollar

Schriften im VergleichSuvir Mirchandani ist 14 Jahre alt und lebt in Pittsburgh. Was so besonders an ihm ist? Eine simple Feststellung verhalf ihm dazu, durch die Medienwelt in aller Munde zu geraten. Er rechnete aus, dass die US Regierung 370 Millionen Dollar – etwa 270 Millionen Euro – jährlich einsparen könnte, wenn sie in ihren Dokumenten und Formularen eine andere Schriftart verwenden würde.

Zu diesem verblüffenden Ergebnis kam der junge Schüler, nachdem ihm im Unterricht aufgefallen war, dass er an der Mittelschule weit mehr Handouts bekam als noch an der Grundschule. Wie man Papier einsparen kann ist schon längst kein unbekanntes Thema mehr, jedoch zur Ausgabensenkung an Tinte gab es für ihn kaum Informationen. Er war geschockt als er heraus fand, dass Tinte 75 Dollar pro Unze kostete – weit mehr als das Parfüm Chanel No. 5.

Das Geheimnis: Garamond statt Times New Roman

Eine spezielle Software ermöglichte es Mirchandani die Papierflut seiner Lehrer auf den Prüfstand zu stellen. Er verglich die Schriftarten „Garamond“, „Times New Roman“, „Comic Sans“ und „Century Gothic“ anhand der Menge der Tinte, die sie für den Druck der gleichen Buchstaben benötigten. Dabei stellte er fest, dass „Garamond“ als vergleichsweise verbrauchsarm und somit als Testsieger hervorging. Der Grund dafür? Die Buchstaben sind etwas kleiner und schmaler als die der anderen.

Für ein Blatt mag das kaum einen Unterschied ausmachen, doch je mehr Papier im Spiel ist, desto mehr rentiert sich eine Änderung.

Mirchandani konnte dies anhand seiner Grundlagen beweisen und stellte rechnerisch fest, dass allein die Schulen in seinem Bezirk durch den Umstieg auf „Garamond“ jedes Jahr 21.000 Dollar einsparen und der Umwelt ganz nebenbei noch einen Gefallen erweisen könnten.

370 Millionen Dollar Ersparnis für die gesamte Regierung

Seine Ergebnisse veröffentlichte Mirchandani in einer wissenschaftlichen Publikation von Harvard-Studenten, im Journal for Emerging Investigators. Man ermunterte ihn dazu, nicht bei den Schulen aufzuhören, sondern seine Rechnung auszuweiten bis auf die gesamte amerikanische Regierung, deren Druckkosten sich auf satte 1,8 Milliarden Dollar jährlich belaufen.

Es war eine Herausforderung, die Mirchandani annahm. Seinen Ergebnissen zufolge könne die US Regierung durch das Umstellen auf „Garamond“ ganze 136 Millionen Dollar jedes Jahr einsparen. Es wären sogar 234 Millionen mehr drin, wenn die Regierungen der Bundesstaaten es ihnen nach machten.

Für Mirchandani war das sicher erst der Anfang. Zur Zeit bringt der junge Schüler seine Ergebnisse und Ideen im amerikanischen Fernsehen – ganz professionell mit Anzug und Krawatte – an den Zuschauer.
Experten widersprechen und setzen zur Wehr, dass „Garamond“ schon mit dem bloßen Auge kleiner als „Times New Roman“ erscheint und nicht die Umstellung auf andere Schriftarten, sondern lediglich eine Änderung der Schriftgröße schon den gleichen Erfolg einbringe. Hinzu kommt eine Aussage des US Government Printing Office, das angab im Jahr 2013 nur 750.000 Dollar für Tinte ausgegeben zu haben und für das Folgejahr wohl nur ein Drittel der zur Verfügung gestellten 1,8 Milliarden zu benötigen. Ob sich Änderungen einstellen mögen bleibt also abzuwarten, doch zu rechnen scheint damit allen Anschein wohl nicht.